Nigel Farage, Vorsitzender der UKIP-Partei, der UK Independence Party, sprach von einem „Independence Day“ für das Vereinigte Königreich. Die EU-Kritiker hatten am Ende die Nase vorn. 1,2 Millionen Stimmen haben den Unterschied ausgemacht und die Briten aus der EU katapultiert: 51,9 Prozent entschieden sich für den EU Austritt.

Wales und England sorgten für die Entscheidung

Großbritannien ist gespalten. Während die Schotten mehrheitlich für den Verbleib stimmten, entschieden sich die Wähler in Wales und England für den EU Austritt. London war die Ausnahme; die Mehrheit der Bewohner der Hauptstadt wollte nichts von einem „Brexit“ wissen und stimmte für den Verbleib in der Europäischen Union. Nachdem das Endergebnis wenige Minuten alt war und fest stand, dass Großbritannien aus der EU austreten würde, gab es bereits kritische Stimmen aus Schottland. So forderte Nicola Sturgeon, die schottische Regierungschefin, abermals die Unabhängigkeit. „Das schottische Volk möchte ein Teil der EU bleiben“.

Folgen weitere Länder? Die Angst vor dem Dominoeffekt

Doch Sturgeon ist mit ihrer Aussage (noch) alleine. Denn auch wenn mitunter man glauben könnte, dass die Anhänger der Europäischen Union jetzt noch stärker an der Seite Junckers kämpfen, gehen Experten von einem Dominoeffekt in die andere Richtung aus, der die EU-Kritiker stärken würde. Vor allem rechtspopulistische Parteivorsitzende haben das Ergebnis als Zeichen erkannt. So forderte Geert Wilders, Vorsitzender der niederländischen „Partei der Freiheit“, ein Referendum in den Niederlanden. Auch Marine Le Pen, Chefin der französischen „Front National“ freut sich über den „Brexit“. Auf Twitter schrieb sie von einem „Sieg der Freiheit“ und möchte nun ein Referendum in Frankreich. Auch Österreich, hier hat der rechtspopulistische EU-Kritiker Norbert Hofer von der FPÖ nur knapp die Wahl zum Bundespräsidenten verloren, ist kritisch geworden. Während die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP für das Konzept der Europäischen Union sind, spricht sich die FPÖ immer wieder für einen Austritt aus der Union aus. Laut Umfragen wird die FPÖ die nächste Nationalratswahl gewinnen; derzeit prognostizieren die Meinungsforscher eine Zustimmung von 34 Prozent. Die Regierungsparteien liegen bei 25 Prozent (SPÖ) und 20 Prozent (ÖVP) und würden – laut aktuellem Stand – derzeit keine Mehrheit erreichen. Die nächste Wahl ist 2018; Insider glauben aber, dass in wenigen Monaten Neuwahlen folgen.

Die Entwicklung der britischen Währung

Schon vor dem Ergebnis stürzte das Pfund Sterling ab. Aktuell hält die britische Währung beim tiefsten Stand seit dem Jahr 1985. Auch die europäische Einheitswährung, der Euro, brach auf 1,0914 US Dollar ein. Der größte Kursrückgang, seit es die europäische Währung gibt. Die Schweizer Währung hat ihren Höchststand seit August 2015 erreicht; derzeit kostet der Euro 1,07 Franken. Der japanische Yen kletterte ebenfalls nach oben. Doch nicht nur die britische Währung ist in den Keller gesunken; auch die Kurse der Banken sind eingebrochen.

Mit Großbritannien verliert die EU einen Nettozahler

„I want my money back“ – so der Slogan Margret Thatchers in den 1980er Jahren. Dabei handelte sie einen Rabatt für Großbritannien – bezugnehmend auf die EU-Beiträge – aus. Auch wenn Großbritannien den Rabatt erhielt, waren sie bis heute Nettozahler. Im Jahr 2014 zahlten die Briten 5 Milliarden Euro mehr ein, als sie von Brüssel am Ende erhielten. 2013 waren es 8,64 Milliarden, 2012 7,3 Milliarden und im Jahr 2011 5,6 Milliarden. Gelder, die ab sofort nicht mehr zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass die restlichen Länder den Differenzbetrag ausgleichen müssen. Jedoch nur, wenn die Ausgaben – von Seiten der EU – gleich bleiben. Deutschland müsste durchschnittlich 2,5 Milliarden mehr an die EU überweisen; Frankreich 1,9 Milliarden, die Italiener 1,4 Milliarden und die Spanier 0,9 Milliarden.

Welche Änderungen treten für Urlauber in Kraft?

Doch auch für Reisende wird es Änderungen geben. Wer in den nächsten Tagen seine Reise in das Vereinigte Königreich antritt, wird noch keine Einschränkungen merken; der Vertrag von Lissabon sieht eine zweijährige Kündigungsfrist vor. Das bedeutet, dass der endgültige Austritt aus der EU erst im Juli 2018 stattfinden würde. Der Wechselkurs sorgt aber für sofortige Auswirkungen auf die Touristen. Dabei handelt es sich um eine positive Veränderung – derzeit bekommen Touristen mehr für ihr Geld, da die britische Währung ein Rekordtief verbucht hat. Umgekehrt bedeutet das aber, dass die Briten mehr für ihren Urlaub in der EU bezahlen müssen. Apropos Grenzkontrollen: Jene waren bis jetzt ebenfalls aufrecht, da die Briten nicht zum Schengen-Raum gehörten.

Welche Auswirkungen hat der „Brexit“ für Arbeitnehmer?

Derzeit arbeiten 2,2 Millionen EU-Ausländer in Großbritannien. Dabei profitierten die Arbeitnehmer von der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Derzeit besteht das Recht jeden Bürgers, problemlos in jedem Staat der EU einer Arbeit nachgehen zu dürfen. Durch den „Brexit“ gibt es nun massive Veränderungen. Betroffen sind vor allem EU-Bürger, die in Restaurants, Hotels auch in der Landwirtschaft tätig sind. Fakt ist: Statistiken haben gezeigt, dass gut drei Viertel der EU-Bürger, die einer Arbeit in Großbritannien – auf Grund der Arbeitnehmerfreizügigkeit – nachgehen, nicht jene Kriterien erfüllen, die für ein Visum notwendig sind. Das bedeutet, sie müssen das Land verlassen.

Der Verlierer: David Cameron

Der britische Premier David Cameron warb bis zum Ende für einen Verbleib in der Europäischen Union. Er ist der große Verlierer des 24. Juni 2016 und hat, wenige Stunden nach dem offiziellen Ergebnis, seinen Rücktritt angekündigt.

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